Es entstanden fünf Objekte, die im Foyer der Geburtshilflichen Abteilung des Kreiskrankenhauses Landau a.d. Isar bis 2005 angesehen, begangen und verwendet werden können.

1. Eine begehbare Form aus 4000 Diapositiven, die in ein Netz aus PVC-Schläuchen eingenäht sind. Die Dias zeigen Detailreproduktionen aus Familienbildern, die mir von den Frauen zugeschickt wurden. Am besten betrachtet man die Arbeit zu zweit, indem eine Person von außen mit der Taschenlampe die Dias hinterleuchtet und die andere in der Kugel steht und schaut.

Als Grundlage für 10.000 Fäden dienten mir Fotografien sowie Briefe von Frauen, die in den letzten 21 Jahren ihre Kinder im Kreiskrankenhaus zur Welt brachten.

Im Vorfeld erhielten 5000 dieser Frauen einen Fragebogen und ein Schreiben mit der Bitte, Material aus ihrem Familienalbum und Erinnerungsstücke für das Kunstwerk zur Verfügung zu stellen.Daraus entwickelte ich eine mehrteilige Arbeit, die die in den Antworten enthaltenen Texte und Bilder von Mutterschaft und Familienleben mit meinen eigenen Überlegungen zu dem bearbeiteten Material verknüpft.Dabei verwendete ich Nylonschnur, Tesafilm, Fotomaterial, Computerausdrucke auf Transparentfolie, glasklare Pastikschläuche, wie sie aus dem Krankenhaus vertraut sind und überarbeitete, ungeöffnete Briefe mit dem Vermerk "unbekannt verzogen", die das Krankenhaus bei der Versandaktion zurückerhielt.

 
Die Taschenlampen findet man auf einem Rezeptionstresen, nicht weit von der Diakugel entfernt.
An diesem Tresen, der nicht mehr als Rezeption für das Krankenhaus genutzt wird,
kann man außerdem sitzen und drei Bücher lesen.
2. Ein Buch versammelt alle Antworten auf die Fragen:Was erinnern sie noch von der Geburt?
Wenn Ihr Partner dabei war, was erinnert er noch davon?
Das zweite Buch enthält eine zufällige Auswahl von jeweils 100 Antworten auf alle anderen Fragen.
Das dritte Buch ist leer und dient als Gästebuch für die Frauen, die in Zukunft in der Abteilung entbinden und ihr Geburtserlebnis dort festhalten wollen.

 
3. Vom Tresen aus blickt man auf eine 5 m lange, im Raum hängende transparente Fläche. Sie besteht aus Folien, auf denen gescannte Zeichnungen und Malereien der Kinder der Frauen aufgedruckt sind.

Diese sind mit Filmnegativstreifen umnäht. Auf den Negativstreifen befindet sich eine Auswahl von Antworten zu 14 der Fragen aus dem Fragebogen. Die Bilder sind den Antworten assoziativ zugeordnet.

4. Ein begehbares Objekt aus den zweihundert Briefen, die mit dem Vermerk "unbekannt verzogen" zurückgekommen sind.
Die Adressaufkleber wurden von mir entfernt und durch Aufkleber ersetzt, auf denen ich Behauptungen darüber aufstelle, warum von fünftausend angeschriebenen Frauen nur dreihundert geantwortet haben.
Die Sätze spiegeln kaleidoskopisch verschiedenste soziale Realitäten. Beispiele: Ihr Mann schlägt sie und sie schämt sich dafür. Sie hat das Geschlecht ge wechselt und ein neues Leben begonnen. Das Kind entstand bei einer Vergewaltigung. Sie hat sich damals in den Chefarzt verliebt und möchte nicht daran erinnert werden. Sie ist Musikerin und ständig auf Tournee. Sie ist Künstlerin und findet die Idee blöd. Sie ärgert sich, daß jetzt sogar die Künstler andere Leute für sich arbeiten lassen. Das Konzept der Kleinfamilie hat sich für sie überlebt. Sie ist Soziologin und findet den Fragebogen unseriös. Sie ist Alkoholikerin. (...)

 
Im Voraum des Foyers, dort wo die Fahrstühle ankommen, trifft man auf das 4. und 5. Objekt. Wenn man von außen das Stockwerk betrittt, sieht man diese beiden Teile zuerst. Sie sind gleichzeitig die beiden am weitesten von der geburtshilflichen Abteilung entfernten Elemente der Installation.Im Voraum des Foyers, dort wo die Fahrstühle ankommen, trifft man auf das 4. und 5. Objekt. Wenn man von außen das Stockwerk betrittt, sieht man diese beiden Teile zuerst. Sie sind gleichzeitig die beiden am weitesten von der geburtshilflichen Abteilung entfernten Elemente der Installation.

 
 
5. Eine Fläche aus fotografischen Papierabzügen, die mit Tesafilm zusammengeklebt sind und vor einem Fenster hängen. Die Fotos stammen von den Frauen. Sie alle zeigen Situationen, wo sich Menschen gegenseitig halten, aneinander oder an etwas festhalten. Diese Fotos wurden von mir mit einer Textstruktur überzogen: mit einer Nadel sind verschiedene Redewendungen aus dem Wortfeld "Halten" in die Fotos hinieingestochen. Das von hinten durch die Löcher dringende Tageslicht erleuchtet die Schrift:

Halt geben, streng halten, Haltung bewahren, bei der Stange halten, für gut halten, den Atem anhalten, aushalten, hochhalten, im Gleichgewicht halten, haltlos sein, kein Halten kennen, Verhalten, zurückhalten, zu etwas anhalten, aufhalten, behalten, ........

Dank an alle Beteiligten Frauen, Kinder und PartnerInnen, Familie Dr. Probach, Frau Dr. Appinger und das Kreiskrankenhaus Landau a.d. Isar
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