Der Ort: vier Vitrinen vor dem Haus des Lehrers, Alexanderplatz 4
1. Berlin-Übel: Hundekot, Hundelobby, BVG, SMPK, Pampigkeit, Fahrstil,
Bundesbeuten, Tiergartentunnel, die ausgetauschte Mitte, Ladenketten in
Ladenstädten, Kopfmauer, Gründerzeitwahn, Männerpisse, Leerstand,
Vergleichsmieten
 
Bei der Ausstellung "Alles wird gut!" zeigte ich in den Vitrinen vor dem Haus des Lehrers am Alexanderplatz in Berlin vier tote Monster. Sie verkörpern alle nur erdenklichen Übel. Jedem Kadaver ist ein Klassifizierungsstreifen angeheftet, auf dem die jeweiligen Verantwortlichkeiten aufgezählt sind.
Man sieht ihnen an, daß sie gewaltsam getötet wurden, doch das Mitleid hält sich in Grenzen. Ihre Erscheinung prädestiniert sie für die Sündenbockfunktion: fremd genug, um als Projektionsfläche zu dienen, vertraut und körperlich genug, um greifbar zu sein (in seinem Buch "Der Sündenbock" nennt Rene´ Girard solche Eigenschaften "Opferzeichen").
Anfänglich gab es zwei Gründe für die Idee:
1. Bei dem Ausstellungsort handelt es sich um vier Schaukästen, also wollte ich mit dem Moment der Zurschaustellung, des Sensationellen und der kompensierenden Wirkung, die offiziell erklärte Sündenböcke immer haben, umgehen.
2. Viele der seit einem Jahr dort gezeigten Werke wurden vor allem in den Samstagnächten durch Wandalismus beschädigt oder zerstört. Meine Arbeit sollte diesen Vandalismus in gesunden Volkszorn umwerten.

Die Ironie der Arbeit liegt in der offensichtlichen Absurdität der Behauptung, mit der Präsentation von vier, allem barocken Augenschmaus zum Trotz offensichtlich handgearbeiteten Figuren wäre das Ende allen Übels erreicht. Verstärkend wirkt die Anmaßung, alle erdenklichen Übel nicht nur aufzählen, sondern in vier Kategorien klassifizieren zu wollen.

Letztere Aufgabe stellte sich als große Schwierigkeit heraus. Um nicht alleine über die Einteilung aller Übel der Welt nachdenken zu müssen, veranstaltete ich am Neujahrstag ein "Symposion" (Trinkgelage mit vorgegebenen Gesprächsthema), wo ich gemeinsam mit meinen Gästen zu der Entscheidung kam, folgende Kategorien aufzustellen:
1. Die Berlin - Übel wie die ausgetauschte Mitte, der Mietspiegel, der Gründerzeitwahn, die BVG, die SMPK,........
2. Die Übel des Selbst wie Eitelkeit, Selbstmitleid, Kontrollwut, Mißgunst,.....
3. Die "großen" Übel wie Rassismus, sexuelle Diskriminierung, Konzentration des Kapitals,.......
4. Die Schicksalsschläge wie Verlust, Krankheit, Tod, Tötung aus Versehen,.....

Die Namen der an dem Symposion beteiligten Gäste wurden auf der Einladungskarte mit aufgeführt.

"Alles wird gut..." ist eine Ausstellung für den öffentlichen Raum. Für eine Bevölkerung, die von vielen Plagen heimgesucht wird und deren protestantische Tradition es noch nicht einmal erlaubt, zu Karneval eine Strohpuppe stellvertretend für alle bösen Geister zu verbrennen. Eine "Kehrausstellung", die am Ende die Behauptung aufstellt, von jetzt an läge es nur noch an uns selbst.

 
2. Die Übel des Selbst: Jammern, Narzismus,Kontrollwut, Trägheit, Feigheit, Selbstgerechtigkeit,Argwohn, Mißgunst, Trittbrettfahren, Radfahren, Ignoranz, Geschwätzigkeit, Respektmangel, Rachsucht

 
 
3. Die großen Übel: Rassismus, sexueller Mißbrauch, Folter,
Konzentration desKapitals, Steuergesetze, Asylpolitik, sexuelle
Diskriminierung, Mord,Waffenhandel, das journalistische Modell
 
 
 
 
4. Die unverschuldeten Übel: versehentliches Töten, Verlust von Freunden, Unfälle, Naturkatastrophen, Verleumdung, Ohnmacht, Erschöpfung,
daß nichts ohne Fehler ist
 

 
Mit "Alles wird gut" wurde ich zu der Ausstellung "Subfiction" auf die 3. Biennale in Werkleitz /Sachsen - Anhalt eingeladen. Die Biennale findet in den beiden kleinen Dörfern Wekleitz und Tornitz statt. Ich konnte die Arbeit in der romanischen Kirche von Werkleitz zeigen. Bei dieser Gelegenheit bot ich einen thematisch an meine Arbeit geknüpften Workshop für die Dorfbewohner an. Das Ergebnis dieses Workshops wurde zusammen mit "Alles wird gut" ausgestellt und verblieb nach der Biennale in der Kirche.
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